{"id":4789,"date":"2019-12-28T14:17:01","date_gmt":"2019-12-28T13:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.johannes-prassek.de\/?page_id=4789"},"modified":"2022-06-19T14:18:34","modified_gmt":"2022-06-19T12:18:34","slug":"geschichte-der-gemeinde-st-wilhelm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johannes-prassek.de\/?page_id=4789","title":{"rendered":"Geschichte der Gemeinde St. Wilhelm"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die Gemeinde St. Wilhelm und ihre Entstehung<\/h1>\n\n\n\n<p>Von der soziologischen Struktur her ist unsere Gemeinde gut durchmischt, d.h. sie ist weder eine eigentliche Akademikergemeinde, noch eine ausgesprochene Arbeiterpfarrei. Auch alle Altersstufen sind gut vertreten und der Zuzug vieler junger Familien hat die Zahl der Gemeindemitglieder in den letzten Jahren noch etwas anwachsen lassen auf nun etwas \u00fcber 3000.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcndung der Gemeinde begann damit, dass der damalige Primarius der Stadtkirche, Pr\u00e4lat <em>Bernhard Wintermann, <\/em>in Bramfeld am Hohnerkamp ein G\u00e4rtnerhaus mit zugeh\u00f6rigem Grundst\u00fcck kaufte, ein Pfarrhaus daraus machte und darin, weil wegen des Krieges ein Kirchbau noch nicht m\u00f6glich war, 1940 eine <em>Anna-Kapelle <\/em>benedizierte, die nun Katholiken aus Bramfeld, Farmsen und Wellingsb\u00fcttel zum Gottesdienst versammelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die werdende Gemeinde geh\u00f6rte zur Pfarrei Wandsbek, wurde aber von Geistlichen in Barmbek mit betreut, bis sie (ab Oktober 1941) mit Pastor <em>Gerhard Hawighorst <\/em>ihren ersten eigenen Pfarrer bekam. Die schweren Fliegerangriffe im Sommer 1942 und 1943 auf Hamburg f\u00fchrten auch am Pfarrhaus zu schweren Sch\u00e4den. Die Zahl der Gottesdienstbesucher wuchs, die Gemeinde konsolidierte sich, das caritative Leben bl\u00fchte auf, und 1951 wird in der Pfarrchronik, im Zusammenhang mit der Liturgie der Kar- und Ostertage, erstmals schon ein kleiner Chor erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Wirken von Pfarrer <em>Paul Alberti, <\/em>der gro\u00dfen Wert auf Hausbesuche legte, erstarkte das Gemeindeleben weiter, obwohl er nur z\u00f6gernd die Bildung von Gruppen zulie\u00df. Am 6.7.1955 kam es zur <em>Grundsteinlegung der heutigen Kirche<\/em>. Pr\u00e4lat Wintermann benannte sie \u2013 gleichsam im Alleingang \u2013 nach dem Namenspatron des damaligen Osnabr\u00fccker Bischofs Dr. Wilhelm Berning, also nach dem hl. <em>Wilhelm von Aquitanien<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4.6.1956 nahm Weihbischof <em>Johannes von Rudloff <\/em>die feierliche <em>Weihe der Kirche <\/em>vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Dezember 1962 l\u00e4uteten vom Kirchturm endlich auch drei Glocken, die dem Heiligen Geist, der Mutter Gottes und der Mutter Anna geweiht sind, und Ostern 1963 kam es in Bramfeld sogar zur Errichtung einer ersten katholischen Schulklasse, die auf drei Klassen angewachsen war, als diese im Mai 1966 dann in die in Farmsen regional er\u00f6ffnete Katholische Grundschule integriert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reihe von Kapl\u00e4nen hatte sich seit 1957, oft in allzu rascher Folge, abgel\u00f6st, um Pfarrer Alberti in der Gemeindearbeit zu unterst\u00fctzen. Einer davon blieb l\u00e4nger, ja wurde sogar der Nachfolger: <em>Joachim von Stockhausen. <\/em>Er begann seinen Dienst in der Gemeinde am 1. Juli 1965 und wurde am 1.3.1970 schlie\u00dflich selber Pfarrer der Gemeinde, als sein Vorg\u00e4nger (aus Anlass seines Goldenen Priesterjubil\u00e4ums) im Alter von 78 Jahren die Verantwortung f\u00fcr die Gemeinde dann doch einem J\u00fcngeren \u00fcbertragen mochte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste gro\u00dfe <em>Renovierung der Kirche <\/em>(im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils) war zum ersten Adventssonntag 1971 abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Au\u00dfenstellen der Pfarrei wurden schlie\u00dflich weitere eigenst\u00e4ndige Gemeinden: Mit Wirkung vom 1.7.1970 entstand die <em>Pfarrei Heilig Geist<\/em> in <em>Farmsen<\/em>, und ab 1. 9.1973 erhielt die <em>Gemeinde St Johannis<\/em> in <em>Steilshoop<\/em>einen eigenen Pfarrer.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrer von Stockhausen suchte der Gemeinde ein Gef\u00fchl sozialer Verantwortung und weltweiter Verbundenheit innerhalb der v\u00f6lkerumgreifenden, universalen katholischen Kirche zu geben. So verst\u00e4rkte er die Verbundenheit mit der Patengemeinde St. Paulus in G\u00e4vle (Schweden), mit der Herz-Jesu-Gemeinde von Pastor Gerd Gereon in Simplicio-Mendes (im D\u00fcrregebiet des Nordostens Brasiliens) und mit dem Projekt Pater Airtons in einem Armenviertel von Arcoverde (ebenfalls in Brasilien). So stand auch die<em>Fernseh\u00fcbertragung eines Vespergottesdienstes am <\/em>16.2.1986 aus unserer Gemeinde unter dem Titel \u201eGebt ihr ihnen zu essen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Bestreben Pfarrer von Stockhausens hin war <em>Mutter Teresa<\/em> am 4.4.1989 in unserer Gemeinde zu Gast; dieser Besuch f\u00fchrte zur Er\u00f6ffnung des \u201eHaus Betlehem\u201c (in der N\u00e4he der Reeperbahn, Budapester Stra\u00dfe 23a), in dem Schwestern der Ordensgemeinschaft der Mutter Teresa seit Mai 1990 Obdachlose speisen und betreuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig f\u00fcr das eigene Gemeindeleben wurde das neue<em> Gemeindehaus<\/em> (Einweihung am 25.11.1970) und die <em>Er\u00f6ffnung eines Kindergartens.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere bedeutsame Initiative Pfarrer von Stockhausens war die <em>Aufstellung eines Kreuzweges (Egino Weinert) <\/em>in der N\u00e4he von Kapelle 13 auf dem Ohlsdorfer Friedhof; er wurde am 8.4.1984 eingeweiht und wird seitdem jeweils am Passionssonntag von Christen mehrerer Hamburger Gemeinden gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach langer und schwerer Krankheit, die er mit allen damit verbundenen Leiden bereitwillig angenommen und tapfer getragen hat, verstarb Pfarrer Joachim von Stockhausen am Freitag, dem 14. 2. 1992 in den fr\u00fchen Morgenstunden in seinem 60. Lebensjahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Totenbrief h\u00e4lt fest: \u201eDie Gemeinde St. Wilhelm verliert in ihm einen Seelsorger, dessen Leben gepr\u00e4gt war von tiefer Gl\u00e4ubigkeit, pers\u00f6nlicher Bescheidenheit, unbeirrter kirchlicher Gesinnung, \u00f6kumenischer Offenheit und gro\u00dfherzigem sozialem Engagement.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Requiem und die anschlie\u00dfende Beisetzung fanden statt am Freitag, dem 21. 2. 92; das Grab befindet sich in der N\u00e4he von Kapelle 13 bei den Priestergr\u00e4bern des Ohlsdorfer Friedhofes.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein v\u00f6llig anderes Temperament kam mit Pfarrer Bernd Wichert in unsere Gemeinde, nachdem wir ein Jahr lang von der Nachbargemeinde St. Johannes in Steilshoop (Pfarrer Gerd Kaesbach) mitbetreut worden waren und viele Vertretungen kennen gelernt hatten. Ab 1.5.1992 war Dr. Bernd Wichert offiziell der Pfarrer der Gemeinde und blieb es fast 12 Jahre lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem neuen Pfarrer wurde, durch seine kommunikative Art, das Gemeindeleben gleich wieder lebendiger: die Zahl der Taufen stieg an, Besuche bei Kranken und Sterbenden waren ihm wichtig, und seine Predigten waren beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hatte Pfarrer von Stockhausen viele Helferkontakte zu Patengemeinden in anderen L\u00e4ndern gekn\u00fcpft und gef\u00f6rdert, waren nun auch wichtige Aufgaben im eigenen Gemeindebereich dringlich geworden. So wurden die Bestrebungen wieder aufgenommen (und mit dem kundigen Kirchenvorstand erfolgreich zu Ende gef\u00fchrt), den Kindergarten aus dem Gemeindehaus auszugliedern und ihm eine eigene Bleibe zu sichern; das Gemeindehaus selbst wurde gr\u00fcndlich erneuert, und schlie\u00dflich wurde auch die Kirche renoviert. Das alles gelang, bevor die Sparma\u00dfnahmen im Erzbistum Hamburg griffen, die solche Projekte sehr viel schwieriger gemacht h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine andere pr\u00e4gende Initiative des neuen Pfarrers &#8211; der auch privat gern, oft und weit reiste &#8211; waren seine j\u00e4hrlichen Gemeindereisen, die den Mitreisenden viele neue L\u00e4nder erschlossen und \u2013 auch mit den Gottesdiensten unterwegs an ungew\u00f6hnlichen Orten &#8211; unvergessliche Eindr\u00fccke brachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ersten Advent (30. 11.) 2003 wurde Pfarrer Dr. Wichert, der zus\u00e4tzlich zu seiner Arbeit in der Pfarrei noch Mitglied im Rundfunkrat und als Richter beim kirchlichen Ehegericht in Osnabr\u00fcck t\u00e4tig war, im Hochamt feierlich verabschiedet, da der Erzbischof ihm die Betreuung zweier Gemeinden in Pinneberg anvertraut hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Gemeinde lie\u00df ihren sehr beliebten Pfarrer nicht gerne ziehen, war sich aber bewusst, dass sie trotzdem noch gro\u00dfes Gl\u00fcck gehabt hatte: Denn schon eine Woche darauf, am Zweiten Advent (7. 12.) 2003, wurde Stefan Krinke als neuer Pfarrer von St. Wilhelm in sein Amt eingef\u00fchrt. Er war, nach einer Kaplanszeit in Harburg, zuletzt in einem bisch\u00f6flichen Bildungshaus in Teterow f\u00fcr die dortige Di\u00f6zesanjugend verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Nachfolger wurde am 20. September 2009 Pfarrer Heinrich Schr\u00f6der, der nun die Bestrebungen miterlebt, unsere Gemeinde in der rechten Weise zu integrieren in den Pastoralen Raum Hamburg-Nordost.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Klaus Lutterb\u00fcse<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">F\u00fchrer durch die Kirche St. Wilhelm,<br>Hamburg-Bramfeld<\/h1>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Obwohl schon seit 1940 eine Gemeinde bestand (die sich sonnt\u00e4glich in der Annakapelle im gerade erst k\u00e4uflich erworbenen G\u00e4rtnerhaus traf, aus dem sp\u00e4ter das Pfarrhaus wurde), konnte die Kirche erst nach den Kriegsjahren erbaut werden. Die <strong>Grundsteinlegung<\/strong> erfolgte am 6. Juli 1955 durch <em>Pr\u00e4lat Bernhard Wintermann.<\/em> Er bestimmte auch &#8211; eigenm\u00e4chtig &#8211; den Kirchenpatron, den hl. Wilhelm von Aquitanien. Das hatte seinen Grund. Damals war Hamburg noch nicht wieder eine Erzdi\u00f6zese und geh\u00f6rte zum Bistum Osnabr\u00fcck. Der damalige dortige Bischof hie\u00df <em>Dr. Wilhelm Berning<\/em>, und weil Pr\u00e4lat Wintermann gerade vorher die Kirche in Poppenb\u00fcttel schon nach seinem eigenen Patron benannt hatte (\u201eSt. Bernard\u201c), wollte er diese Kirche in Bramfeld nun dem Namenspatron des Bischofs weihen.<\/h1>\n\n\n\n<p>Daran erinnern in der Kirche, vorn im Altarraum, die beiden Rundfenster: Das rechte zeigt den <strong>hl. Wilhelm<\/strong> als M\u00f6nch mit Tonsur und Bart, wie er gelobend die eine Hand erhebt und in der zweiten die Regel des hl. Benedikt h\u00e4lt, die nun seine Lebensregel werden soll (\u201eOra et labora\u201c). Das linke Rundfenster zeigt das <strong>Wappen des damaligen Bischofs von Osnabr\u00fcck<\/strong> mit seinem Wahlspruch &#8222;Caritas Christi urget&#8220; (&#8222;Die Liebe Christi dr\u00e4ngt uns&#8220;), und darunter den Osnabr\u00fccker Dom.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Einweihung der Kirche <\/strong>nahm am 4. Juni 1956 <em>Weihbischof Johannes von Rudloff<\/em> vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Architekt <em>Pliemeister<\/em> wollte in der Gestaltung des Kirchbaus &#8211; besonders durch die beiden Rundfenster im Altarraum und vor allem im Seitenschiff, die an Bullaugen erinnern &#8211; offensichtlich auf ein Schiff anspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) wurde die Kirche 1971 <strong>erstmals grundlegend renoviert:<\/strong> Der fr\u00fchere Hochaltar wurde entfernt, ebenso die Kommunionb\u00e4nke, die den Altarraum von der Gemeinde trennten, und der neue Altar wurde weiter vorger\u00fcckt, damit der Priester nun dahinter stehen und sich w\u00e4hrend der ganzen Eucharistiefeier der Gemeinde zuwenden konnte. Ab nun wurde, im Zuge der Liturgiereform des Konzils, das verbindende Latein als Gottesdienstsprache seltener (oder auf wenige Elemente reduziert) und von der jeweiligen Landessprache abgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Kreuz<\/strong>, das nun zwischen den beiden Rundfenstern den Altarraum beherrscht, wurde von Pfarrer von Stockhausen in einem M\u00fcnchener Antiquariat entdeckt und f\u00fcr die Kirche erworben. Es zeigt einen Jesus, der Schmerz und Tod besiegt hat, der also, wie das Johannes-Evangelium es sieht, \u201eam Kreuz erh\u00f6ht\u201c ist, um in der Auferstehungsgewissheit nun \u201ealle an sich zu ziehen\u201c, in der Hoffnung und in der Vorfreude auf die Vollendung beim Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dezember 1985 wurden dem Kreuz die Figuren der <strong>Maria<\/strong>, der Mutter Jesu, und die des <strong>Johannes<\/strong>, des Lieblingsj\u00fcngers Jesu, hinzugef\u00fcgt, so dass nun das Beziehungsgef\u00fcge gegeben ist, auf das das Johannesevangelium hinweist und in dem Jesus, der sich ja nun zum Vater hin entzieht, die beiden geliebten Menschen aufeinander verweist und den einen je der Sorge des anderen anvertraut: \u201eFrau, siehe da, dein Sohn\u201c, und: \u201eSohn, siehe da, deine Mutter!\u201c Gew\u00f6hnlich steht Maria in solchen Darstellungen links des Kreuzes und Johannes an der rechten Seite; in St. Wilhelm ist es umgekehrt.<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Der fr\u00fchere Hochaltar enthielt einen zentralen <strong>Tabernakel<\/strong>, in dem die \u00fcbrig gebliebenen gewandelten Hostien aufbewahrt wurden. Das \u201eEwige Licht\u201c zeigte an, dass in ihnen Jesus Christus in besonderer Weise, in der Eucharistie, gegenw\u00e4rtig blieb. Nach dem Konzil griff man den Brauch fr\u00fcherer Jahrhunderte wieder auf und bewahrte die Eucharistie in einer eigenen Stele neben dem Altar auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche <em>Stele<\/em> sehen wir links vom Altar, gestaltet vom K\u00f6lner K\u00fcnstler <em>Egino Weinert<\/em>, der mit Pfarrer von Stockhausen pers\u00f6nlich befreundet war und erst k\u00fcrzlich verstorben ist (4. September 2012). Weinert hat auch den <em>Taufbrunnen<\/em> links neben der Stele gestaltet, den <em>Altaraufbau (oder \u2013untersatz)<\/em> und das <em>Lesepult (Ambo)<\/em> ganz rechts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Stele<\/strong> zeigt in ihren Emaillebildern Szenen, die mit der Eucharistie zu tun haben: Wir sehen die \u201eSzene des letzten Abendmahles\u201c, die \u201eSt\u00e4rkung des Propheten Elias durch den Engel am Berg Horeb\u201c, \u201eMose und das Volk Israel beim Aufsammeln des himmlischen Manna\u201c und das \u201eEssen des Lammes\u201c, das an den Aufbruch Israels aus der \u00e4gyptischen Knechtschaft erinnert und das dann bei den Juden j\u00e4hrlich als Paschamahl gefeiert wurde: ein Mahl, dem Jesus in seinem Letzten Abendmahl eine neue Bedeutung einstiftete.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Kr\u00f6nung der Stele f\u00e4llt eine <strong>Darstellung des Propheten Jona<\/strong> auf, der nach einer biblischen Legende dem Auftrag Gottes, die s\u00fcndhafte Stadt Ninive zu bekehren, auf einem Schiff entweichen wollte; beim Sturm von den Seeleuten ins Meer geworfen und von einem Walfisch verschlungen, wurde er dann aber wieder, Gott lobend, an Land gespien\u2026 Gott sucht auch den zu retten, der vor seinem Auftrag flieht; er wartet auf ihn und auf jeden, der sich dem \u00f6ffnen will, auch in dieser Stele, in der Gestalt der Eucharistie, auf die das rote \u201eEwige Licht\u201c hinweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kunstvoll gestaltete Standger\u00fcst der Stele zeigt verschiedene biblische Szenen, die aber keinen deutlichen inhaltlichen Bezug zu ihr als dem Aufbewahrungsort der Eucharistie erkennen lassen \u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Technik ist auch der <strong>Altaruntersatz<\/strong> gestaltet. Er zeigt \u00c4hren und Trauben, als Hinweise auf Brot und Wein, die ja Grundelemente der Eucharistiefeier sind, und viele biblische Szenen, wie z.B. Jesus beim Mahl mit den Emmausj\u00fcngern; die Fu\u00dfwaschung; das F\u00fcllen der Kr\u00fcge auf der Hochzeit zu Kana; den Engel, der am Grab die drei Frauen erwartet; den ungl\u00e4ubigen Thomas; Jesus in der Verkl\u00e4rung auf dem Tabor; den Knaben mit den f\u00fcnf Broten und den beiden Fischen bei der Brotvermehrung; die J\u00fcnger im Sturm auf dem See; das Pfingstereignis; die Anbetung der Hirten; den Judaskuss; Jesu Begegnung mit Zach\u00e4us: alles Szenen, in denen sich die Zuwendung Gottes zu uns Menschen zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter der dicken Holz-Altarplatte ist ein K\u00e4stchen befestigt, das <strong>Reliquien<\/strong> enth\u00e4lt. (Es l\u00e4sst sich nicht mehr feststellen, von wem sie sind; sicher ist nur, dass sie nicht vom heiligen Wilhelm sind.) Dieser Brauch geht zur\u00fcck auf die Gewohnheit der fr\u00fchen Christen, die Eucharistie in der N\u00e4he des Grabes eines M\u00e4rtyrers zu feiern; seit Beginn des 6. Jahrhunderts brachte man die M\u00e4rtyrergebeine (oder Dinge, die die Heiligen im Laufe ihres Lebens benutzt oder ber\u00fchrt hatten) zum Altar der Gemeindekirche, und so hat bis heute ein jeder katholische Altar, meist fest in die Altarplatte eingemauert, eine Reliquie.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>Taufbrunnen<\/strong> zeigt auf seinem Deckel die <em>Gestalt des hl. Petrus<\/em>, der m\u00fchsam das mit Fischen gef\u00fcllte Netz aus dem Meer zieht. Die Taufe soll den T\u00e4ufling schon vorweg &nbsp;herausziehen aus dem Meer der Sorgen und N\u00f6te und all der Verstrickungen ins Hier und Jetzt, die ihn im Leben erwarten, und ihn \u00f6ffnen f\u00fcr die Wirklichkeit des Gottesreiches, das verborgen schon anbrechen will. Durch den Kranz der <em>zw\u00f6lf Emaille-Einlegebilder<\/em> hat der K\u00fcnstler die Bedeutung der Taufe hervorgehoben; sie beschreiben die Anf\u00e4nge der Erscheinung des g\u00f6ttlichen Lebens in dieser Welt und zeigen in den einzelnen Bildern: die Verk\u00fcndigung \/ die Begegnung der beiden Cousinen Elisabeth und Maria \/ die Traumweisung des Engels an Josef \/ die Geburt Jesu \/ die Beschneidung Jesu (Darstellung im Tempel) \/ die Flucht nach \u00c4gypten \/ Jesus bei den Schriftgelehrten im Tempel \/ die Taufe Jesu \/ das Wunder zu Kana \/ die Rettung des versinkenden Petrus. Die beiden letzten Bilder sind weniger eindeutig: zeigen sie die Heilung eines Blinden und den Kniefall des vorher ungl\u00e4ubigen Thomas?<\/p>\n\n\n\n<p>Den <strong>Ambo<\/strong>, von dem aus ja das lebendige Wort Gottes an die Gemeinde verk\u00fcndet wird, beherrscht die <em>Emaille-Darstellung des Pfingstereignisses.<\/em> Vom Heiligen Geist, der als eine wei\u00dfe Taube mit einem Friedenszweig im Schnabel \u00fcber allen H\u00e4uptern schwebt, springen wie aus einem rot gef\u00fcllten Kelch einzelne Feuerzungen auf die Apostel \u00fcber, die sich mit Maria versammelt haben, um nun als Kirche zueinander zu finden und sich gesendet zu wissen, weiterzusagen, was sie vom Wirken Gottes verstanden haben. Dieses Geschehen macht die zuvor ver\u00e4ngstigten&nbsp; J\u00fcnger zu freim\u00fctigen Zeugen des Auferstandenen. (Sammlung und Sendung)<\/p>\n\n\n\n<p>Im unteren Teil zeigt der Ambo den \u201eReichen Fischfang\u201c, ein \u201eLehrgespr\u00e4ch zwischen Zweien\u201c und den \u201ejungen Jesus inmitten einer Gruppe\u201c; auf der anderen Seite erkennt man Darstellungen der \u201eTaufe Jesu\u201c, der \u201eBegegnung mit Zach\u00e4us\u201c und \u201eJesus als den Kreuztragenden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An der linken Kirchenwand sind die 14 holzschnitzten <strong>Stationen des Kreuzweges <\/strong>angebracht, aus der K\u00fcnstlerwerkstatt von <em>Otto Flath<\/em> aus Segeberg.<\/p>\n\n\n\n<p>An der R\u00fcckwand der Kirche sto\u00dfen wir auf eine Darstellung des volkst\u00fcmlichen und beliebten Franziskanerpredigers <strong>Antonius von Padua <\/strong>(1195 \u2013 1231, Zeitgenosse des Franz von Assisi), der sich besonders der Waisen und der Armen annahm und von vielen auch heute noch angerufen wird, wenn sie etwas verloren haben; und sie beteuern: er hilft, es wiederzufinden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Beichtraum begegnet eine weitere Darstellung von Egino Weinert: die <strong>\u201ePiet\u00e0\u201c<\/strong>, die Darstellung der Gottesmutter, die Jesus, ihren toten Sohn, auf ihrem Scho\u00df h\u00e4lt: ein vertrautes Trostbild in schwerem Leid, beim Verlust eines lieben Menschen. Neben dieser Piet\u00e0 brennt, so lange ein Verstorbener noch nicht beerdigt ist, eine Kerze und bittet um das Gebet f\u00fcr den Toten, dessen Name, Todes- und Begr\u00e4bnistag auf einem T\u00e4felchen unter dem Bild angegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein vielbesuchter Ort innerhalb unserer Kirche ist im Seitenschiff die <strong>Ikone der Muttergottes von Vladimir<\/strong>, eines der \u00e4ltesten Marienbilder Russlands, hier gestaltet von Frau <em>Elisabeth Drost<\/em> (M\u00fcnchen, 1971), nachdem ihr Mann, bei dem das Bild in Auftrag gegeben war, pl\u00f6tzlich verstorben war. Das Zentralbild zeigt <em>Maria als das Urbild der Kirche<\/em>; in der Gestalt des Jesuskindes, das sich ihr liebevoll zuwendet, empf\u00e4ngt sie das Erbarmen Gottes und gibt es weiter an alle, die diese Vermittlung suchen und sich vertrauensvoll an sie wenden. Dieses zentrale Bild ist eingerahmt von <em>vielen kleinen Einzelbildern<\/em>, von denen man in der unteren Rahmungsleiste Darstellungen des Abendmahls, der Fu\u00dfwaschung, eines Jesuskopfes, des Gebets und der Verhaftung am \u00d6lberg erkennen kann. Rechts nach oben sind Heiligenbilder eingef\u00fcgt; dar\u00fcber erneut das Abendmahl; andere Motive sind nicht leicht inhaltlich zu bestimmen, weil ein theologisches Konzept nicht deutlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>beiden Seitenfl\u00fcgel<\/em> zeigen, dem Zentralbild zugewandt, je einen Engel, der wieder von vielen kleinen Einzelbildern umgeben ist. Auf der linken Tafel erkennt man unter dem Engel den Judaskuss (links), das Abendmahl (rechts), die Geburt Jesu (oben). Auf der rechten Seitentafel erkennt man (unten) die Auferweckung der Toten durch Engel (oder die Versto\u00dfung in die H\u00f6lle?), einen Engel in der Grabkammer Jesu (links) und die Kreuzigung Jesu. Weiterhin (rechts) die Entschlafung Mariens (Jesus tr\u00e4gt die Seele Mariens), dar\u00fcber die Kreuzabnahme Jesu und (ganz oben) die Auferstehung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gro\u00dfe <em>Querleiste ganz unten (Pedrella) <\/em>zeigt in der Mitte einen Jesuskopf, eingef\u00fcgt gleichsam in eine&nbsp; Verk\u00fcndigungsszene, eingerahmt von Heiligengestalten, von denen die ganz rechts Stehende wohl Maria ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen den vier \u201eBullaugen\u201c des Seitenschiffs erkennen wir die Darstellung zweier Apostel und die eines weiteren Engels.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jetzige <strong>Orgel <\/strong>wurde am 7. 6. 1976, rechtzeitig zum 20-j\u00e4hrigen Kirchweihjubil\u00e4um, am Pfingstfest von <em>Weihbischof Dr. Hubertus Brandenburg<\/em> eingeweiht. Sie wurde von der Firma Detlef Kleuker aufgebaut und wird mit ihren 18 Registern unserem Kirchenraum voll gerecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kirchenraum wirkt hell und freundlich und l\u00e4dt ein zu Einkehr und Stille, erf\u00fcllt seine Bestimmung aber erst recht, wenn alle B\u00e4nke gef\u00fcllt sind und die Gemeinde sich zur Feier eines festlichen Gottesdienstes versammelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gemeinde St. Wilhelm und ihre Entstehung Von der soziologischen Struktur her ist unsere Gemeinde gut durchmischt, d.h. sie ist weder eine eigentliche Akademikergemeinde, noch eine ausgesprochene Arbeiterpfarrei. 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